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07.09.2018

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Artikel Nummer: 24303

37-38/2018 Die Hausaufgaben Europas


 

Als die Weltbank im August den Logistics Performance Index 2018 (LPI) veröffentlichte, war die Genugtuung in Europa besonders gross. Der Kontinent, der laut diversen Prognosen im Kräftemessen zwischen China und den USA aufgerieben werden könnte, belegte acht Plätze in den Top Ten. Doch auch die Spitzenränge im LPI können nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade im Bereich Verkehrsinfrastruktur viel Nachholbedarf besteht. Der Unterhalt der wichtigsten Strassen und Brücken wird laufend teurer wegen fehlender Erhaltungsinvestitionen, der Verkehrszunahme und den gestiegenen Ansprüchen an die Sicherheit. Für die Staaten ist die Finanzierung eine Mammutaufgabe, die gerne auf die lange Bank geschoben wird. Im schlimmsten Fall ist ein Unglück wie unlängst in Genua die Folge.

 

Immerhin hat die Tragödie das Thema der vernachlässigten Strasseninfrastruktur auf das Tapet gebracht. Frankreich, das über verhältnismässig gute Autobahnen verfügt, steckt jährlich 666 Mio. EUR in den Unterhalt. Da dies mittelfristig aber zu wenig ist, um die Qualität zu gewährleisten, kündigte die Transportministerin Elisabeth Borne einen Investitionsplan an. In Deutschland wird seit Juli eine flächendeckende Lkw-Maut erhoben, die pro Jahr 7,2 Mrd. EUR einbringen soll und für den Ausbau und Unterhalt der Bundesstrassen verwendet wird. Die Herausforderung ist also erkannt, ob sich die Situation langfristig verbessert, bleibt vorerst offen.

 

Das Thema kostspieliger Unterhalt betrifft nicht nur die Strasse, sondern auch die Schiene. Zumindest zwischen Europa und Asien stehen momentan Aus- und Neubauten der Schienen­infrastruktur im Vordergrund. Ein grosser Player ist hier die russische Staatsbahn RZD. Deren CEO Oleg Belozerov spricht im grossen Interview ab S. 20 über die geplanten Investitionen in das Streckennetz des riesigen Landes. Die Ambitionen von RZD beschränken sich aber nicht nur auf Russland, sondern umfassen auch Verbindungen nach Südkorea, China und Europa – Stichwort Breitspur-Ausbau bis Wien. Auch wenn Ankündigung und Umsetzung zwei verschiedene Dinge sind, steht fest, dass mehrere Grossprojekte in Russland auf Kurs sind.

 

Wer sich von diesen Entwicklungen ein Bild machen möchte, besucht am Besten den RZD-Stand an der Innotrans in Berlin. Die Fachmesse für Bahn- und Verkehrstechnik findet vom 18. bis 21. September statt und ist mit über 3000 Ausstellern die weltweit grösste Veranstaltung im Bereich Schiene.

 

Marco Wölfli
Redaktor

 

 

 

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