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06.10.2015

Artikel Nummer: 11798

41-42 2015 Paradox, aber wahr


An Widersprüchen mangelt es in keinem Lebensbereich, auch nicht im Geschäftsleben. Was bei kleinen Beobachtungen im modernen Leben beginnt – wir haben grössere Häuser für kleinere Familien, breitere Fahrbahnen bei mehr Einbahnstrassen und mehr Bequemlichkeit bei weniger Zeit – gilt auch in Unternehmen. Mehr Umsatz bei weniger Marge, weniger Mitarbeiter bei mehr Arbeit oder höhere Kosten bei geringerer Leistung von Zulieferfirmen – diese Erfahrungen dürften viele von uns teilen.

 

Dieselbe Betrachtung setzt sich zum Teil auch in unserer Branche nahtlos fort. Es werden immer mehr und grössere Schiffe für die gleiche oder geringere Menge an Fracht eingeführt. Es drängen immer mehr Anbieter in die gleichen Nischen und senken für alle Marktteilnehmer die Erlöse. Und nicht jede Fusion findet zwischen komplementär agierenden Unternehmen statt. Dennoch führt eine Vielfalt von in- und externen Argumenten am Ende zu diesen Entscheidungen.

 

Eines aber ist gewiss: Von einer Steigerung des Handels werden alle profitieren, Verlader ebenso wie ihre Dienstleister in der Transport- und Logistikbranche. Und eben dieser Handelszuwachs soll durch die Umsetzung des jüngsten internationalen Abkommens der WTO zur Handelserleichterung erzielt werden. Ganz einfach wird dieser Weg nicht, da 107 Staaten unterzeichnen müssen, aber eine Rahmenvereinbarung wurde schliesslich gefunden. Ob es nun tatsächlich bis zu 30% oder doch 5% werden, die der Welthandel nach dem Abschluss insgesamt zunehmen wird, spielt gar nicht die entscheidende Rolle. «Wichtig ist, dass der Kuchen insgesamt grösser wird,» folgerte Francesco Parisi, Past President der Fiata, kürzlich auf einer Podiumsdiskussion des Weltverbands der Spediteure in Genf.

 

Hier können die Spediteure etwas in ihrem eigenen Land leisten, denn die Umsetzung des Abkommens findet im Rahmen nationaler Vorbereitungskomittees statt. An dieser Stelle können die Unternehmen sich in die Debatte einbringen und die Weichen für Neugeschäft stellen. Das bedingt aber neben viel Engagement auch den Einsatz von Zeit und Geld, allein für das Personal. Und damit wären wir wieder bei den Widersprüchen. Die knappen Ressourcen setzen viele doch lieber für das unmittelbar notwendige Tagesgeschäft ein. Man sollte über diese verständliche Entscheidung aber die Zukunft nicht vergessen, denn die wird bekanntlich noch weit weniger berechenbar sein als die heutige Gegenwart.

 

Mit herzlichen Grüssen,

 

Christian Doepgen
Chefredaktor

 

 

 

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