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04.10.2016 Von: Christian Doepgen


Artikel Nummer: 16195

41-42/2016 Jubiläen über Jubiläen


Jubiläen sind längst nicht so unschuldig, wie sie aussehen. Sie bergen Chancen und Risiken. Auf der einen Seite geben sie Gelegenheit zu grossem Auftritt und grosser Geste, zum Aufmarsch der Honoratioren und – im besten Falle – zum Champagnerbad. Es darf endlich einmal der Blick vom Tellerrand der Alltagssarbeit gehoben werden und mit Genugtuung auf gemeinsam gemeisterte Herausforderungen und die erarbeiteten Leistungen zurückgeblickt werden. Der Geist der Altvorderen, die Leistung der Gegenwart und die Notwendigkeit der Gemeinschaft werden beschworen. Es sind Momente der Selbstvergewisserung, die, da heute eher selten zelebriert, besonders lobenswert sind.

 

Die Risiken der Jubiläen sind allerdings auch nicht zu unterschätzen. Zunächst einmal muss natürlich richtig gezählt werden bzw. die Messlatte gut geeicht sein. Beispiel gefällig? Wie alt ist nun der Dreh- und Angelpunkt der Logistik- und Transportbranche, der gute alte Standardcontainer? Waren es 50 oder 60 Jahre? Beide Zahlen konnte man in diesem Jahr lesen, mit viel Recht auf beiden Seiten. Immerhin muss man von diesem Jubilar nicht viel Widerspruch erwarten.

 

Daneben gibt es aber auch die überraschenden Jubiläen. Wer beim Hafen Hamburg nur an Wasser denkt, macht es sich zu einfach. Denn auch die Hafenbahn hat eine stolze Tradition, wie kürzlich eine Schar Journalisten vor Ort in der Hansestadt erfahren konnte. Da gab es viel Nostalgisches zu bewundern, etwa einen alten Triebwagen von MAN, der zu seinem eigenen stolzen Jubiläum von 60 Lebensjahren von dem Team der Hafenwerkstatt wieder auf Hochglanz gebracht worden war. In den Vorträgen der Verantwortlichen jeodoch richtete sich der Blick dahin, wo er hingehört: in die Zukunft. Eben die hat, so liess sich zwischen den Zeilen vernehmen, in Hamburg für die Hafenbahn mit Investitionen vor zehn Jahren so richtig angefangen. Heute liegt man unter den Nordhäfen Europas mit 200 täglichen Frachtzügen im Hinterland-Umschlag weit vorn. Das ist für einmal eine vorausschauende Wirtschaftspolitik – und dieser Zug soll weiter gehen (s. S. 23).

 

Es geht aber auch mit anderen Ziffern. In dieser Ausgabe finden Sie z.B. unser Interview mit Patrik Tschirch zu 50 Jahren LUG Aircargo Handling (S. 44). Besonders angetan hat es mir allerdings eine besondere Zahl: Die Dreier Transporte-Logistik begeht in diesem Jahr ihren 111. Geburtstag (S. 29). Dieses Jubiläum gibt dem Familien-unternehmen in der dritten Generation Gelegenheit zur Reflexion. Da wünschen wir:

Ad multos annos!

 

Christian Doepgen
Chefredaktor

 

 

 

 

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