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06.10.2017

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Artikel Nummer: 20370

41-42/2017 Hand und Fuss, Kopf und Herz


 

Rund um die Bundestagswahl ging fast gänzlich unter, dass die Einweihung des letzten Teilstücks des Main–Donau-Kanals genau ein Vierteljahrhundert zurückliegt: Am 25. September 1992 gab der damalige bayerische Ministerpräsident Max Streibl die verbleibenden von insgesamt 171 km frei. Von der Schaffung einer Schifffahrtsstrasse von der Nordsee quer durch Europa bis ans Schwarze Meer hatte schon Karl der Grosse nicht nur geträumt. Doch die letzten Zweifel an ihrer Wirtschaftlichkeit sind immer noch nicht ausgeräumt. Fakt ist, dass von 1960 bis 1992 umgerechnet 2,3 Mrd. EUR in das nach Beschlüssen in Brüssel zu den fünf wichtigsten Wasserstrassenprojekten mit europaweiter Bedeutung zählenden Kanals geflossen sind.

 

Völlig zurecht, sagt der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt zum Jubiläum und verweist darauf, dass seitdem im Durchschnitt jährlich 6,7 Mio. t Güter auf diesem Weg befördert wurden, was «die damaligen Erwartungen vor dem Bau deutlich übertroffen» habe. Seine Kritiker verweisen hingegen auf die sinkende Tendenz (2016: 4,6 Mio. t), lassen als gesellschaftlichen Nutzen allenfalls die vermehrten Flusskreuzfahrten in einer eher strukturschwachen Region gelten und sehen die massiven Eingriffe in die Umwelt gar als «ökonomisch-ökologisches Desaster». Ihre Stimmen scheinen heute lauter zu sein, denn so kommt es, dass der ursprünglich im weiteren Verlauf geplante Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen wohl nicht einmal mehr als Streitthema vor der im Herbst 2018 anstehenden Landtagswahl in Bayern taugt.

 

Wahlen hin oder her: Die nächsten Bundes- und Landesregierungen werden gut beraten sein, den Spagat zwischen wirklich notwendigen Investitionen und blindem Aktionismus angesichts einer bei weitem nicht allerorts maroden Transportinfrastruktur zu halten. An Baustellen mangelt es nicht, wie dem regionalen Schwerpunkt dieser Ausgabe aus Anlass des Deutschen Logistik-Kongresses Ende des Monats in Berlin ab Seite 30 unschwer zu entnehmen ist. Aber dort dürfte auch klar werden, warum Deutschland immer noch als eine führende Logistiknation angesehen wird.

 

Wenige Seiten darauf wenden wir unseren Blick noch weiter nach Osten und nehmen einmal die derzeitige Transport- und Logistiksituation in Polen unter die Lupe.

 

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

 

Andreas Haug
Ressortleiter Luftfracht

 

 

 

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