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20.10.2017 Von: Marco Wölfli


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Artikel Nummer: 20575

Gleich lange Spiesse für alle


 

Malaysias Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten besser entwickelt als erwartet. Die Unternehmenslandschaft wandelt sich vom Rohstofflieferanten zum Industriestandort. Das Wachstum zeigt sich auch bei den grossen Häfen Port Klang, Tanjung Pelepas und Penang, die zusammen 22 Mio. Container pro Jahr abfertigen. Bei dieser dynamischen Entwicklung ist es ein positives Signal, dass die Fiata Weltkongress in Kuala Lumpur stattfand. Während vier Tagen kamen über 1000 Delegierte aus 77 Ländern zusammen, um sich auszutauschen. Das ITJ war auch vor Ort und fühlte den Puls der Branche. Die wichtigsten Erkenntnisse der Tagung lesen Sie auf Seite 10.

 

Die diesjährige Weltkonferenz stand auch im Zeichen des Wandels bei der Fiata. Seit kurzem amtet Hans Günther Kersten als neuer Generaldirektor und im Anschluss an die Weltkonferenz wurde Babar Badat zum neuen Präsidenten gewählt. Trotz neuer Köpfe an der Spitze wird bei der Fiata nicht alles über den Haufen geworfen. Die neuen Amtsträger sind mit dem Verband vertraut und werden die erfolgreiche Arbeit der Fiata fortsetzen. Entwicklung durch Kontinuität ist die Losung.

 

Während neue Infrastrukturbauten in Asien oft in Rekordtempo realisiert werden, ist man in Europa schon froh, wenn die bestehenden Verkehrswege befahrbar sind. Seit Anfang Oktober ist der Schienenkorridor zwischen Basel und Karlsruhe wieder offen, und die Güterzüge rollen wie gewohnt. «Rastatt» ist aber trotzdem noch nicht vorbei. Die angestauten Warenmengen im Norden und im Süden mussten abgetragen und die Abläufe wieder normalisiert werden. Der siebenwöchige Unterbruch hat die Probleme des Verkehrsträgers Bahn schonungslos aufgedeckt. Lokführer, die auf der Ausweichroute durch Frankreich von Übersetzern begleitet wurden, standen symbolisch dafür, was schief läuft. Der Schienen-Güterverkehr in Europa krankt an fehlenden länderübergreifenden Standards und einem Bekenntnis zur Bahn, dem auch Taten folgen.

 

Derzeit hat die Schiene gegenüber der Strasse zu viele Nachteile, um den Rückstand aufzuholen. Das liegt auch daran, dass der Strassentransport vielerorts finanziell bevorzugt wird. In Frankreich wird die Einführung einer distanzabhängigen Schwerverkehrsabgabe seit Jahren diskutiert, passiert ist aber noch nichts. Derweil zahlen die Betreiber von Güterzügen brav ihre Trasseegebühren. Die Schiene hat ein grosses Potenzial. Sie braucht aber faire Bedingungen, um ihre Vorteile auszuspielen.

 

Marco Wölfli
Redaktor

 

 

 

 

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