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19.10.2018 Von: Christian Doepgen


Ausgaben
Artikel Nummer: 24929

43-44/2018 Safety last


 

 

Bricht das vierte Quartal an, kommen die Propheten der Ökonomie wieder zu Ehren. Das alte Jahr sei gelaufen (was nicht stimmt), das neue Jahr durchgeplant (Illusion der Controller) und ganz dringende Massnahmen alternativlos (ohne Planungsgrundlage). Im Grund genommen aber sind die neuen Belastungsfaktoren die alten: Sorgen über die Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China, der chinesisch-amerikanische Handelskonflikt und Italien, das trotz eines überlasteten Haushalts mehr Schulden machen möchte. Immerhin beantworteten sich kürzlich zwei Fragen gleichzeitig. Im September hat sich nach Informationen des chinesischen Zolls der Aussenhandel des Landes vor allem bei den Exporten gesteigert (+14,5%), wobei der Handelsüberschuss mit den USA gleich den neuen Rekord von 34 Mrd. USD einstellte. Seit Anfang 2018 summiert sich der Überschuss auf 225,79 Mrd. USD – vor einem Jahr waren es 196 Mrd. USD. Den Verkehrsflüssen tut das keinen Abbruch, wenngleich Stimmungsbilder die Margen u.a. in der Seefracht beeinträchtigen, wie es Drewry aufzeigte.

 

Ganz so stimmig ist das Bild aber dann doch nicht, wie es der jüngste Trendmonitor für Investitionen der Unctad in Genf aufzeigte. Danach sind die weltweiten ausländischen Direkt- investitionen (FDI) im ersten Halbjahr 2018 um 41% gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr gefallen – von 800 Mrd. USD auf geschätzte 470 Mrd. USD. Der Effekt trat vor allem aufgrund umfangreicher ausländischer Erträge, die die Töchter von US-Muttergesellschaften nach der Steuerreform aus dem Ausland in die USA repatriiert haben. Während sich die USA also erneut als Primus betätigen und die Eurozone, einschliesslich Grossbritanniens, auf hohem Niveau bleibt, bleiben die Schwellen- und Entwicklungsländer zumindest teilweise Stiefkinder. Im Sinne eines globalen Wirtschaftswachstums ist das wenig begrüssenswert, deutet es doch auf vorsichtige Investoren hin. Das Prinzip des «Safety First» scheint uns heute so in Fleisch und Blut übergegangen zu sein, dass auch hohe Renditechancen bei begrenzten Risiken sofort ausgeschlagen werden, wie wir es oft hören, so beim Fiata Weltkongress in Neu-Delhi oder dem Eisenbahnforum in Sotschi, von denen Sie auch in dieser Ausgabe lesen. Wissen Sie noch, wie der berühmte – und wirtschaftliche sehr erfolgreiche – Stummfilm hiess, in dem Harold Lloyd u.a. am Uhrzeiger eines Wolkenkratzers zappelt? Safety last.

 

Eine spannenden Lektüre wünscht Ihnen

 

Christian Doepgen
Chefredaktor

 

 

 

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