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03.11.2015

Artikel Nummer: 12194

45-46/2015 Lehr- oder Märchenstunde?


Einen solchen Auftrieb hatte sich nicht einmal der selten um grosse Worte und Auftritte verlegene Akbar Al Baker erwartet: Vor zweieinhalb Jahren waren wir im Rahmen des World Cargo Symposiums der Iata am selben Ort Zeugen, als der Chef von Qatar Airways das Ziel verkündete, sein flügge gewordenes Küken bis 2015 in den Schwarm der fünf grössten Frachtflieger der Welt führen zu wollen (vgl. ITJ 13-14/2013, S. 17); die im Oktober veröffentlichten Iata-Zahlen belegen nun, dass Qatar Airways Cargo bereits die Nummer drei der Welt ist. Und es soll noch besser kommen: So kündigte Seine Exzellenz am 27. Oktober vor den in Doha zusammen getrommelten internationalen Fachmedien an, nicht nur weitere Frachtmaschinen zu bestellen, sondern die Kapazität des erst 2014 hochgefahrenen, voll automatisierten Terminals bis 2018 verdoppeln zu wollen. Jährlich sollen dann bis zu 4,4 Mio. t Luftfracht umgeschlagen werden können – so viel wie heute nur in Hongkong.

 

Wir werden in unserer nächsten Ausgabe 47-48 ausführlicher auf diese Pläne eingehen und sind gespannt, was die südlichen Nachbarn in den Vereinigten Arabischen Emiraten unternehmen. Die dieses Jahr vom 8. bis 12. November stattfindende Dubai Air Show kann eine schnelle Gelegenheit bieten, das eine oder andere Ausrufezeichen zu setzen, um Paroli zu bieten. Das ahnte wohl auch Ulrich Ogiermann, der Frachtchef von Qatar Airways, als er auf unsere Frage, ob nicht die Gefahr besteht, dass sich die drei hoch-, wenn nicht gar übermotivierten Golf-Brüder gegenseitig das Wasser abgraben könnten, erwiderte: «Alle haben ihre Chance. Es kommt nicht auf die Marke an, sondern auf die Menschen dahinter.»

 

Auch weiter nördlich versucht ein Wettbewerber, von seiner vielleicht noch günstigeren geografischen Lage zu profitieren und schickt sich an, selbst ein Luftfahrtmärchen zu schreiben. Nach dem Schub durch die Liberalisierung des nationalen Marktes vor gut zehn Jahren verfolgen Turkish Airlines und ihre Frachtdivision nun voller Erwartung die Verbesserung der heimischen Infrastruktur, deren sichtbarster Ausdruck der neue Flughafen von Istanbul ist. Er soll dereinst sogar Hongkong, Dubai World Central und Doha in den Schatten stellen. Ein traditionell wichtiges Thema für die Türkei ist dagegen die Schifffahrt, und so lade ich Sie ein, in dieser Ausgabe schwerpunktmässig zu erfahren, welchen Kurs das Land an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien nach den Parlamentswahlen vom 1. November einschlägt und was sich sonst rund um das Mittelmeer logistisch tut. Eine gute Lektüre wünscht Ihr

 

Andreas Haug
Ressortleiter Luftfracht

 

 

 

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