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17.11.2017

Ausgaben
Artikel Nummer: 21008

47-48/2017 Auf die Köpfe kommt es an


Die Logistik gehört zu den Sektoren der Wirtschaft, in denen die Personalknappheit besonders fühlbar ist. Die Rede ist nicht von der Debatte, die wir seit über einem Jahrzehnt um die fehlenden Lkw-Fahrer führen – was nicht heissen soll, dass dieses Problem auch nur annähernd gelöst wäre. Die Rede ist vielmehr von der gesamten Wertschöpfungskette, die die personalintensive Logistik- und Transportbranche abzudecken hat. Es ist schon schwierig genug, tüchtige Leute zu finden, die die physische Bewegung der Waren an den verschiedensten Schnittstellen der Supply Chain übernehmen und sicherstellen. Bekanntlich aber sind mindestens die Hälfte der Angestellten in der Planung, Steuerung und Umsetzung im Unternehmen selbst tätig und benötigen für ihre anspruchsvollen Aufgaben die entsprechende Qualifikation. Da man diese Fachleute nicht backen kann – wo lassen sie sich am besten auftreiben?

 

Fangen wir mit einem Praxisbeispiel an, wo wir uns am besten auskennen, rund um den eigenen Kirchturm mit internationalem Anschluss. Basel als Logistik-Hot Spot der Schweiz hat bislang bei knapper Personallage im eigenen Land deutlich davon profitiert, dass es an Frankreich und Deutschland grenzt. Aktuell geraten diese Quellen ins Stok-ken, denn die benachbarten deutschen Landkreise Lörrach und Waldshut weisen eine Arbeitslosenquote von etwa 3% aus. Viele verfügbare Kräfte sind also gar nicht gegeben. Zwar hat das Elsass mit einer Arbeitslosenquote von ca. 9% gegebenenfalls mehr Interessenten an die Branche in der Schweiz abzugeben, wäre da nicht der spürbare Verfall der Sprachkenntnisse. Es ist also nicht zu erwarten, dass sich die Zahl der 30 000 französischen und 37 000 deutschen Grenzgänger in naher Zukunft nennenswert erhöht.

 

Was also bleibt zu tun? Der Kärrnerweg ist angezeigt. Der Mix aus der Fortbildung von Quereinsteigern, der Qualifikation vorhandener Mitarbeiter oder der Nachwuchswerbung bei den Jungen und ganz Jungen z.B. durch die Teilnahme am «Tag der Logistik» wird aber nicht erfolgreich sein, wenn wir nicht das klassische Problem unserer Branche in den Griff bekommen – das Image der Logistik in der Postmoderne. Ein nicht zu unterschätzendes Argument ist z.B. die Solidität dieser mittelständischen Branche. Testen Sie Ihre Kinder im Teenage-Alter einmal mit der Bemerkung «Ein Logistiker und ein Arzt finden immer einen Job!». Die Wirkung wird sie überraschen – mir haben sie danach einmal zugehört. Das ist doch schon ein Anfang.

 

Herzlich, Ihr

 

Christian Doepgen
Chefredaktor

 

 

 

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