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09.12.2016

Artikel Nummer: 17119

49-52/2016 Fliehkraft und freier Raum


 

Physik war noch nie meine starke Seite. In diesem Jahr, das am spektakulärsten in der Seeschifffahrt, aber nicht minder profund in der Luft wie bei den anderen Verkehrsträgern zu Umwälzungen lange propagierter Grundsätze der Geschäftsmodelle geführt hat, drängt sich jedoch ein Vergleich mit den Gesetzen der Natur auf. Die Bilder einander in Wechsel-wirkung bewegender Körper, der Zusammenhang von Trägheit und Masse, die Gesetze von Raum und Zeit, Asymmetrie und Ausgleich, Überhitzung und Abkühlung – wer denkt bei diesen Begriffen nicht an die Verwerfungen innerhalb unserer Branche im vergangenen Jahr?

 

Auf die Insolvenz der südkoreanischen Grossreederei Hanjin im August folgte die Fusions-Ankündigung der Containersparten der japanischen Linien, K Line, MOL und NYK, im Oktober. Nun ist im Dezember der Verkauf von Hamburg Süd an Maersk öffentlich geworden. Nicht nur die Lehren von «Zu gross zum Scheitern» sind damit vom Tisch. Die desolate Finanzlage der Reedereien wird auch auf weitere Akteure der Supply Chain früher oder später Auswirkungen haben.

 

Auch in der Luft gibt es keinen Grund zur Entwarnung, allein schon, wenn man die überschaubare Anzahl Gesichter auf dem letzten Air Cargo Forum in Paris als Krisensymptom versteht. Ein Misstrauensvotum der Füsse. Auch Speditionen, Strassentransporteure, Binnenschiffer und der Schienengüterverkehr spüren die zunehmenden Härten im Geschäft.

 

Die Erde wankt, aber der Himmel stürzt nicht ein. Wir befinden uns im Auge des Sturms – und haben Augen, positive Signale zu sehen, und Hände, neue Lösungen umzusetzen. Dass eine Neuordnung der globalen Containerschifffahrt nötig war, diskutieren wir seit 2008. Jetzt werden die Weichen gestellt. Die Luftfracht hat Septemberzahlen vorgelegt, die nach Analyse der Iata einen globalen Zuwachs von 6,1% Frachttonnenkilometer gleichkommen – so gute Ergebnisse wie seit Februar 2015 nicht. Die Spediteure erkennen die Chance, die im E-Commerce liegt – der WCA hat ein eigenes Netzwerk für dieses Thema aus der Taufe gehoben. Das sind nur einige positive Trends, die oft bereits mehr Raum einnehmen, als wir ahnen.

 

Es gibt also allen Grund, mit Entschlossenheit das Jahr 2017 anzugehen und den Fliehkräften zu trotzen. Wir wünschen Ihnen herzlich frohe Festtage und einen guten Start im Neuen Jahr!

 

Christian Doepgen
Chefredaktor

 

 

 

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